Best Practice Beispiele verdeutlichen, wie mögliche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Praxis ausgestaltet werden können. Welche Maßnahmen geeignet und sinnvoll sind, hängen von vielen verschiedenen Faktoren wie die Größe der Organisation, die Anförderungen des Geschäftes, die Bedürfnisse der Mitarbeiter und Studierenden sowie den individuellen Spielraum ab.
Die folgenden Best Practice Beispiele zeigen ein breites Spektrum an möglichen Maßnahmen aus allen Handlungsfeldern des audit berufundfamilie. Weitere Best Practice Beispiele können bei der berufundfamilie gGmbH angefragt werden.
Handlungsfeld 1: Arbeitszeit
Gleitzeitmodelle und Vertrauensarbeitszeit
Im Sinne einer Verwirklichung des Leitbildes der Hochschule Gießen-Friedberg soll die Gleitzeit das Interesse der Studierenden nach erreichbaren und verlässlichen Serviceleistungen mit den Interessen der Lehrenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bezüglich der Gestaltung von Arbeits- und Dienstleistungszeiten vereinen. Darüber hinaus werden Wirtschaftlichkeit und Personalentwicklung beachtet. Durch flexiblere Arbeitszeiten werden für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Möglichkeiten zur Mitgestaltung der eigenen Arbeitszeit und damit der besseren Vereinbarkeit von Arbeitszeit und Freizeit sowie von Familie und Beruf eröffnet. Gleitzeit gilt für alle Mitarbeiterinnen / Mitarbeiter der Zentralverwaltung und der Bibliotheken. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Fachbereichen können ihre Teilnahme an der Gleitzeit dauerhaft erklären. Innerhalb der Sachgebiete und Abteilungen wird eigenverantwortlich festgelegt, zu welchen Zeiten und in welchem Umfang Personal anwesend sein muss, dabei gelten hochschuleigene Servicezeiten. Es gilt eine Rahmenarbeitszeit von 6.30 – 19.00 Uhr. Die Zeiterfassung erfolgt elektronisch und wird auf einem Konto monatlich abgerechnet. Zeitguthaben und -schulden im Umfang von +/- 16 Stunden werden auf den Folgemonat übertragen. Stundenguthaben, die darüber hinausgehen, werden automatisch auf ein Ansparkonto gebucht. Hierauf können Guthaben von bis zu 10 Arbeitstagen angespart und in Form von Freizeit wieder ausgeglichen werden. Die Einführung des Ansparkontos trägt der gewünschten Bewältigung und dem anschließenden Ausgleich der an der Hochschule periodisch auftretenden Arbeitsspitzen Rechnung.
Handlungsfeld 2: Arbeitsorganisation
Vertraglich gesicherte Freiräume für Qualifikationsarbeit
Die Gestaltung der Arbeitsinhalte und -abläufe wird an der Hochschule Ludwigshafen als zentrales Element angesehen, um Freiräume für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen. Ausgehend vom Präsidium wurde in der Hochschule gezielt eine entsprechende Kultur implementiert und ihre Umsetzung gefördert. Da der Vorgesetzte bei der Gestaltung der Arbeitsorganisation eine zentrale Rolle spielt, wird die Gestaltung der Arbeitsinhalte und -abläufe nicht unabhängig vom Handlungsfeld Führungskompetenz gesehen. Im Einzelnen werden folgende Maßnahmen ergriffen: Die Arbeitsinhalte werden unter Berücksichtigung der zeitlichen Verfügbarkeit der Beschäftigten organisiert und bei der Planung wird auf ihre außerberuflichen, insbesondere die familiären Verpflichtungen Rücksicht genommen. Bei Umstrukturierungen werden Arbeitsinhalte und -abläufe unter Beteiligung der Betroffenen neu gruppiert. Kommunikationsinseln z.B. in Form von ansprechend gestalteten Teeküchen bieten Räume für vereinfachte Absprachen. Darüber hinaus werden bei Bedarf Räume für ungestörtes Arbeiten zur Verfügung gestellt. Dabei handelt es sich nicht um extra eingerichtete Räume, sondern es können leer stehende Büros abwesender Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter genutzt werden – auch das des Präsidenten.
Handlungsfeld 3: Arbeitsort

Handlungsfeld 4: Informations- und Kommunikationspolitik

Interessenvertretung
In vielen Hochschulen wird die Koordinierung und Umsetzung der Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Studium, wissenschaftlicher Qualifikation und Beruf und Familie dem Frauen- oder Gleichstellungsbüro übertragen. Die Hochschule Wismar hat aus strategischen Gründen sowie zur Unterstützung der Gleichstellungsbeauftragten einen anderen Weg gewählt. Die Koordinierungsstelle „Familiengerechte Hochschule Wismar“ ist administrativ dem Rektorat unterstellt, wobei sie in inhaltlicher Sicht das Bindeglied zwischen der Hochschulleitung, dem Gleichstellungsbüro, der Personalabteilung und dem Dezernat für Studentische und Akademische Angelegenheiten darstellt. Durch diese Struktur wird sichergestellt, dass der ganzheitliche Ansatz der Familienorientierung in den Vordergrund rückt und sie damit insgesamt einen höheren Stellenwert einnehmen kann.
Die wichtigste Aufgabe der Koordinierungsstelle ist die aktive Koordination der Umsetzung von Zielvereinbarungen der Hochschule, die die Familienorientierung betreffen. Daran schließt sich zum einen die hochschulinterne und -externe Beratungsfunktion zum „audit familiengerechte hochschule“ wie auch die Information und Beratung der betroffenen Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Die Kontaktvermittlung zu weiteren Beratungsstellen ergänzt das Angebot.
Handlungsfeld 4: Informations- und Kommunikationspolitik
Internetportal
Seit Anfang 2006 bietet die Uni Bremen das Internetportal „Arbeit und Kind“ (http://www.familie.uni-bremen.de/index.php) an. Hier sind Informationen über das „audit familiengerechte hochschule“ ebenso zu finden wie zu den Bereichen „Studium & Kind“ sowie „Arbeit & Kind“. Beide Bereiche sind nach Unterpunkten wie „Rechtliches“, „Finanzielles“, „Kinderbetreuung“ und „Beratung“ gegliedert. Für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zudem Informationen zum Thema „Elternzeit und Mutterschutz in Drittmittelprojekten“ zusammengefasst. Auch ausländische Studierende finden spezielle Hilfen zu Fragen der Vereinbarkeit. Ergänzt wird die Seite durch zahlreiche Links zu anderen Institutionen, Beratungseinrichtungen und weiteren Dokumenten. Die inhaltliche und redaktionelle Verantwortung liegt beim Referat für Chancengleichheit. Seit Ende 2007 wird das Portal überarbeitet, der Relaunch wurde im März 2008 durchgeführt. Der neue Name des Portals „Uni und Familie“ soll die Studierenden stärker als bislang ansprechen. Zudem sind weitere inhaltliche Neuerungen geplant. So sollen zum Beispiel die einzelnen Maßnahmen und Fortschritte im Rahmen des Auditierungsprozesses ausführlicher dargestellt werden.
Handlungsfeld 4: Informations- und Kommunikationspolitik
Vorstellung eines „Vater des Monats“ im Intranet
Die Universität des Saarlandes stellt im Intranet regelmäßig einen an der Hochschule tätigen „Vater des Monats" vor. Im Rahmen eines Interviews wird dessen individuelles Konzept zur Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familienleben ausgeführt. Hierbei wird auch auf die persönlichen Erfahrungen, auf die Arbeitszeitgestaltung und auf die Inanspruchnahme weiterer familienbewusster Maßnahmen eingegangen.
Handlungsfeld 4: Information und Kommunikation
Um den Hochschulangehörigen zu signalisieren, dass sie in ihrer neuen Rolle als berufstätige oder studierende Eltern wahrgenommen und auch unterstützt werden, führte die Universität Paderborn ein sogenanntes Eltern-Paket ein. Bunt gestaltet von Kindern der Kinderkurzzeitbetreuung PUKi, enthält es neben einer Kuscheldecke und einem Lätzchen mit Universitätslogo im Corporate Design der Universität auch jede Menge hilfreiche Broschüren, die zum Beispiel über das Elterngeld, die Elternzeit, die Vereinbarkeit von Beruf beziehungsweise Studium und Familie sowie die Angebote der Hochschule zur Kinderbetreuung informieren.
Handlungsfeld 4: Informations- und Kommunikationspoitik

Öffentlichkeitsarbeit
Zwei Jahre nach Erhalt des Grundzertifikats zum „audit familiengerechte hochschule“ hat die Universität Paderborn den Prozessstand in der Informationsbroschüre "Familiengerechte Hochschule" zusammengefasst. Diese liegt in gedruckter Form vor und kann außerdem über die Homepage der Hochschule heruntergeladen werden. Sie dient zum einen der internen Informationsweitergabe und wird beispielsweise an Neuberufene verteilt. Zum anderen sollen die Maßnahmen für mehr Familienbewusstsein mithilfe der Broschüre auch über die Hochschule hinaus bekannt gemacht werden. Neben allgemeinen Informationen über das audit-Verfahren und dessen Ablauf werden ausführlich die acht Handlungsfelder erläutert. Für jedes Handlungsfeld werden die Ausgangssituation zu Prozessbeginn und die jeweiligen Ziele vorgestellt. Es folgt eine Aufstellung der bereits realisierten und der zukünftig geplanten Maßnahmen. In Kurzform informiert zudem ein Flyer über die Maßnahmen der Hochschule im Rahmen der Auditierung.

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