Das audit berufundfamilie, die berufundfamilie gGmbH, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung sowie das Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik (FFP) im Spiegel der Presse...
Nach Familienphase motiviert zur Arbeit

Karriere oder Kinder? Wer beides will, muss sich oft über Jahre auf einen zehrenden Kraftakt einstellen. Denn Beruf und Familie spielen sich oft genug in verschiedenen Welten ab, die schwer zueinanderpassen. So verwundert es nicht, dass sich im jüngsten Monitor des Bundesfamilienministeriums fast 80 Prozent der Befragten eine bessere Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf wünschen. Seit ihrem Amtsantritt rührt Ministerin Ursula von der Leyen die Werbetrommel für dieses Thema. "Erfolgsfaktor Familie" heißt das in ihrer PR-Sprache. Doch dahinter stehen durchaus harte Fakten.
Pflegende Arbeitnehmer - Über die Windel des Vaters spricht keiner
Pflegezeit wird nur selten in Anspruch genommen. Um in solchen Stressphasen zu helfen, hat die Regierung das Pflegezeitgesetz geschaffen, das im Sommer ein Jahr alt geworden ist: Pflegende Angehörige können nun für bis zu sechs Monate ganz oder teilweise aus dem Beruf aussteigen; auch eine spontane Kurz-Auszeit von zehn Tagen ist möglich. Der Haken? „Die Auszeiten sind unbezahlt“, erklärt Christiane Flüter-Hoffmann, Arbeitszeit-Expertin am Institut der Deutschen Wirtschaft. Entsprechend nüchtern fällt die Bilanz aus, die Praktiker und Experten ziehen. „Das Gesetz wird in den Unternehmen und im Kreise der Betroffenen kaum gelebt“, sagt beispielsweise Kerstin Fromm von der Senioren-Service AWO GmbH. Unternehmensberater Nett bestätigt den Eindruck: „Die meisten Betroffenen wissen gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt.“ Stefan Becker, Geschäftsführer der „Beruf und Familie GmbH“, einer Tochtergesellschaft der Hertie Stiftung gibt außerdem zu bedenken: „Pflegezeit in Anspruch zu nehmen - das trauen sich in der Regel nur die Angestellten, deren Unternehmen ohnehin offen für die Problematik sind“, sagt er.
Mutige arbeiten Teilzeit
Sich um die Familie kümmern und Karriere machen? Als Mann? Das geht - gegen viele Widerstände.
...Schon jeder zehnte leitende Mitarbeiter soll Erfahrungen mit reduzierter Arbeitszeit gemacht haben. Ein wichtiges Motiv: Frauen stellen mittlerweile die Mehrheit unter den Akademikern. Unternehmer können es sich angesichts des drohenden Fachkräftemangels nicht mehr leisten, auf sie zu verzichten. Doch bislang beenden viele Frauen ihre Karrieren früh, in der Regel nach der Geburt ihres ersten Kindes. Um sie zu halten, müssen Unternehmen ihnen daher ermöglichen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Konkret bedeutet das: Führungspositionen müssen auch in Teilzeit möglich sein. Das klingt für viele noch sehr gewöhnungsbedürftig. Doch es funktioniert. Nicht in jeder Firma und mit jeder Position in gleicher Weise. Und nie ohne Koordinationsaufwand. Doch fast jeder Job ist zumindest mit einer 80-prozentigen Teilzeitstelle erfüllbar. „Alle, die Teilzeitarbeit für ihre Führungskräfte anbieten, ziehen eine eindeutig positive Bilanz“, so Stefan Becker, Geschäftsführer der gemeinnützigen Berufundfamilie GmbH. Er untersucht im Auftrag der Hertie-Stiftung schon seit Jahren die betriebswirtschaftlichen Effekte familienfreundlicher Regelungen in kleinen und großen Unternehmen.
Firmen organisieren Ferienspaß
Das Organisationstalent berufstätiger Eltern ist in den Sommerferien 2009 besonders gefordert. Während der wochenlangen Streiks in den Kitas mussten viele Mütter und Väter bereits ungeplant Urlaub nehmen. Manche fragen sich jetzt noch drängender als sonst: Wohin mit dem Nachwuchs während der sechswöchigen Ferien? Viele Arbeitgeber haben die alljährliche Not ihrer Beschäftigten erkannt. Trotz Wirtschaftskrise bieten immer mehr Firmen und Behörden in den großen Ferien Betreuung für Mitarbeiter-Kinder, wie Stefan Becker sagt, der Geschäftsführer von beruf und familie in Frankfurt - einer Initiative der gemeinnützigen Hertie-Stiftung.
In der modernen Familie kommt es auf den Mann an

Der Wandel in der Familie liegt vor allem im veränderten Bild des Vaters. Diese Entwicklung sieht Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) auch vor dem Hintergrund der Finanzkrise. "Väter spüren die Auswirkungen der Krise stärker als Mütter", sagte von der Leyen bei der Vorstellung des "Familienmonitors 2009" in Berlin, einer repräsentativen Studie des Allensbach-Instituts. 47 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern gaben an, dass ihr Betrieb von der Krise bereits konkret betroffen sei, hingegen nur 25 Prozent der Mütter. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts, sieht zwar für die Gesamtheit der deutschen Beschäftigten angesichts der befürchteten Folgen der Krise insgesamt noch immer ein "beruhigendes Bild". Insgesamt fühlten sich nur 34 Prozent der Beschäftigten betroffen, acht Prozent davon stark. Es werde bei den Betroffenen jedoch zu wenig nach Branche sortiert. Väter seien deshalb stärker betroffen, weil männerdominierte Berufe stärker unter Auftragsrückgang zu leiden hätten, wie zum Beispiel im Maschinenbau oder in der Schwerindustrie. Frauendominierte Berufe seien dagegen weniger häufig betroffen.
Viele Arbeitgeber sind schon familienfreundlich

Wenn Ulrike Kenkenberg Bewerbergespräche führt, geht es meist auch um Familienfreundlichkeit. Zum einen weil die Bewerber das Audit «berufundfamilie», ein entsprechendes Zertifikat, als einen der Gründe für ihr Interesse an der Stelle nennen.
Oder sie zum anderen von sich aus nachfragen, was das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln damit verbindet. Dann berichtet die Personalreferentin zum Beispiel von der Einrichtung eines Eltern-Kind-Zimmers, das Spielecke und Schreibtisch bereithält und für Betreuungsnotfälle gedacht ist, oder weist auf den Laptop-Pool hin, der in solchen Situationen erlaubt, den Arbeitsplatz nach Hause zu verlagern.
Eine hohe Auszeichnung?

Eine „hohe Auszeichnung“ habe die Firma Mucground erhalten, steht in der Pressemitteilung des Münchner Flughafens. Die Tochtergesellschaft der FMG, deren Angestellte in der Flugzeugabfertigung arbeiten, sei so familienfreundlich, dass sie dafür ein Zertifikat von der gemeinnützigen Gesellschaft „Berufundfamilie“ erhalten habe. In der Mitteilung steht aber auch, dass Mucground bis in drei Jahren Ziele erreichen und sich verbessern muss. Die SZ sprach mit Angela Kienle von „Berufundfamilie“ über die Inhalte des Zertifikats.
Hoch im Kurs: die Familie
Eigentlich böte die aktuelle Wirtschaftslage hinlänglich Argumente für Arbeitgeber, um betriebliche Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie massiv zurückzufahren. Umsatzeinbußen zwingen zu Kosteneinsparungen, Maßnahmen familienbewusster Personalpolitik geraten da schnell auf den Prüfstand. Doch anders als erwartet bleibt das Engagement in diesem Bereich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ungebrochen. Zahlreiche Unternehmen bekennen: Uns ist wichtig, dass unsere Mitarbeiter Beruf und Familie miteinander vereinbaren können. Und daran wird auch die derzeitige Wirtschaftskrise nichts ändern. Das gilt auch für die meisten Unternehmen, die in den letzten Jahren, begünstigt von einem breiten gesellschaftlichen Konsens in der Vereinbarkeitsdebatte, mit Hilfe des audit berufundfamilie ein entsprechendes Angebot aufgebaut haben.
Wenn Eltern wieder arbeiten
...Familienbewusste Personalpolitik ist inzwischen zu einem Standortfaktor geworden, weil sie helfe, der Abwanderung gut qualifizierter Mitarbeiter entgegenzuwirken, sagt Stefan Becker, Geschäftsführer von Beruf und Familie. Die Initiative der gemeinnützigen Hertie-Stiftung hat das Audit "berufundfamilie" entwickelt - ein Managementinstrument mit Lösungen zur besseren Vereinbarkeit von Job und familiären Aufgaben. Laut Becker gibt es aktuell bundesweit 766 Zertifikatsträger - Unternehmen, Institutionen und Hochschulen.
Geteilte Chefinnen

Mut, darum geht es. »Man muss den Mut haben, irgendwo auch mal nicht dabei zu sein«, sagt Irmgard Heinz. Aus ihrem Munde klingt das unerwartet. Heinz ist nämlich eine Unternehmensberaterin für das Münchner Büro der amerikanischen Booz&Company; mit ihren 42 Jahren ist sie bereits eine Partnerin bei dem Unternehmen, also Miteigentümerin. Sie berät die Finanzchefs von Großkonzernen und jettet in diesem Job auch mal heute nach London und morgen nach Tokyo. Aber Heinz arbeitet Teilzeit. Weil sie sich um ihre zweijährigen Zwillinge kümmern will. Und weil es funktioniert.

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